Digitale Transformation, Open Source in der Verwaltung, Tech-Regulierung und Monopol-Kontroversen

Das Internet erlebt einen Wandel von Suchmaschinen zu Chatbot-gesteuerten "Antwortmaschinen", was Einnahmeverluste für Webseitenbetreiber bedeutet. Cloudflare bietet an, das unbezahlte "Scrapen" von Inhalten durch Chatbots zu verhindern und sieht eine Zukunft, in der Chatbot-Anbieter für exklusive Inhalte zahlen. Schleswig-Holstein setzt in seiner öffentlichen Verwaltung auf Open-Source-Software. Dies soll Transparenz, Souveränität und langfristige jährliche Einsparungen von fünf Millionen Euro nach anfänglichen Investitionen von zehn Millionen Euro gewährleisten, wobei Entwicklungen in die internationalen Projekte zurückfließen. Die US-Behörde FTC fordert US-Tech-Unternehmen auf, sich nicht an den EU Digital Services Act (DSA) zu halten, der die Bürgerrechte schützen soll. Die Stiftung Warentest untersucht den oft verdeckten Einfluss von KI-Scoring und Algorithmen auf Entscheidungen wie Kreditvergabe und fordert Transparenz sowie aktive Schritte bei ungerechten Entscheidungen. Ein US-Gericht stellte Googles illegale Monopolbildung fest; das Urteil wird jedoch kritisiert, da es Googles Macht kaum einschränkt. Kurzmeldungen: Apple macht Sideloading für den DMA unkomfortabel, Google schränkt Android-Nutzerkontrolle ein, es gibt eine Einführung in anpassbare User Interfaces, Mastodon kann Altersverifikationsregeln nicht umsetzen, Film "Käufe" bei Amazon sind Lizenzierungen, und Google erhielt Millionenstrafen für Spam und Datensammlung.

Die Zukunft des Internets

Das Internet hat viele Probleme. Eines davon ist das Geschäftsmodell, in dem der Gewinn von der Aufmerksamkeit der Nutzer abhängt und polarisierende Inhalte mehr Klicks erzeugen. Aktuell vollzieht sich ein Wandel. Statt Suchmaschinen verwenden Nutzer zunehmend Chatbots als „Antwortmaschinen“. SEOOFFENSIVE

Während Suchmaschinen die Nutzer auf die Webseiten der Inhaltsersteller leiteten, präsentieren Chatbots Antworten, die einen Besuch beim eigentlichen Bereitsteller der Information nicht mehr notwendig machen. Das ist ein wirtschaftliches Problem für Webseitenbetreiber, die immer weniger Geld durch Werbung und die Vermarktung persönlicher Daten verdienen. DIGITALINFORMATIONWORLD

Der Dienstleister Cloudflare bietet Webseitenbetreibern an, das „Scrapen“ – also das Abgreifen von Informationen durch Chatbots – zu unterbinden, sofern mit dem Betreiber des Chatbots keine finanzielle Gegenleistung für das Verwenden der Inhalte vereinbart wurde. In einem Interview mit Fred Vogelstein beschreibt der Cloudflare CEO Matthew Prince seine Vision von der Zukunft des Internets als Informationsmedium. CRAZYSTUPIDTECH

“And so if it’s true that the future of being an answer engine is driven by who has access to the most unique content, if I’m Google, I’m like, ‘ Hey, a new sheriff’s in town. We will insist you have to pay for content. And we’re gonna be the first ones out there doing the exclusive deals so that our answer engine is better than everybody else,’ ” he said.

Prince hofft darauf, dass die Anbieter von Chatbots für Exklusivrechte an qualitativ hochwertigen Informationen zahlen werden um eine Dienstleistung anzubieten, die gewinnbringend monetarisiert werden kann.

Open Source in der öffentlichen Verwaltung: Man muss es nur machen

Für heise.de spricht Marie-Claire Koch mit Jan Kürschner, der in Schleswig Holstein die öffentliche Verwaltung auf Open Source Software organisiert. HEISE

Kürschner nennt sehr gute Gründe für die Abkehr von BigTech:

Der wichtigste Punkt ist Transparenz und Souveränität: Mit Open-Source-Software wissen wir genau, was die Programme tun, wohin die Daten fließen und wo sie gespeichert sind.

Zu Beginn entstehen Kosten für die Umstellung, auf mittlere bis langfristige Sicht spart das Land viel Geld.

Zu Beginn dürften die Betriebskosten einschließlich der Umstellungskosten zum Digital Souveränen Arbeitsplatz (DSAP) noch annähernd gleich hoch wie der Betrieb einer vergleichbaren proprietären Infrastruktur mit entsprechenden Lizenzkosten sein. Die Projektkosten zur Umstellung auf die Komponenten des DSAP werden aktuell mit zehn Millionen Euro veranschlagt. Langfristig wird aber eine haushaltswirksame Einsparung von fünf Millionen Euro jährlich durch den Einsatz des DSAP erwartet. Das nenne ich vorausschauende Politik.

Und es gilt der Grundsatz: Öffentliches Geld – öffentliches Gut.

Entwicklungen fließen direkt in die internationalen Projekte zurück. Das Land will keine eigenen Forks pflegen, sondern alle Verbesserungen direkt in die Hauptprojekte geben und auf diese Weise zur Entwicklung für die Allgemeinheit beitragen. Dieses Prinzip wurde schon bei Nextcloud erprobt.

USA rufen Technologieunternehmen zum Gesetzesbruch auf

Die EU hat ein Reihe von Gesetzen erlassen, um die Rechte ihrer Bürger in der digitalen Sphäre zu schützen. Ein wichtiges Regelwerk ist der Digital Services Act (DSA). WIKIPEDIA

Sehr große Online-Plattformen müssen strengere Verpflichtungen erfüllen, die in einem angemessenen Verhältnis zu den erheblichen gesellschaftlichen Risiken stehen, die von ihnen ausgehen, wenn sie illegale und „schädliche“ Inhalte (harmful content), einschließlich Desinformationen, verbreiten.

Illegale und schädliche Inhalte sind allerdings Teil des Geschäftsmodells vieler Plattformen. SPIEGEL HEISE

Die aktuelle US-Administration bewertet die Gewinne der Technologieunternehmen höher als das Wohlergehen von EU-Bürgern. So fordert die Behörde FTC jetzt US-Unternehmen, die in Europa Geld verdienen, auf, sich nicht an die EU Regeln zu halten. WIRED

Warentest untersucht KI Scoring

In der Septemberausgabe des Magazins Finanzen beleuchtet die Stiftung Warentest den – oft verdeckten – Einfluss von Algorithmen auf den Alltag von Menschen. Als Beispiel wird aufgeführt, dass Jobportale Bewerbungen algorithmisch aussortieren und Streaminganbieter bestimmte Inhalte anbieten. TEST

Während klassische Systeme nach fest definierten Regeln arbeiten, entwickeln moderne Systeme eigene Regeln unter anderem auf der Basis von persönlichen Daten. Das Zustandekommen von Entscheidungen kann zunehmend nicht mehr nachvollzogen werden.

Verbraucher haben aber ein Recht auf Transparenz. Wenn zum Beispiel ein Kredit verweigert wird, reicht der Verweis „Das steht hier so im Programm“ nicht aus.

Die Empfehlung der Stiftung Warentest lautet: „Wer eine Entscheidung als ungerecht empfindet, sollte aktiv werden“. Sie stellt für diesen Fall auch einen Musterbrief zur Verfügung.

Sieg für das Monopol

In den USA hat ein Gericht letztes Jahr festgestellt, dass Google a) Monopolstellung hat und b) diese mit illegalen Methoden erlangt hat und verteidigt. Anfang September wurde das Urteil gesprochen. Cory Doctorov ordnet das Urteil auf seinem Blog folgendermaßen ein. PLURALISTIC

It’s impossible to overstate how fucking terrible Mehta’s reasoning in this decision is.

Dazu auch auf der Webseite des American Evonomoc Liberties Project. ECONOMICLIBERTIES

The Court found Google liable for maintaining one of the most consequential and damaging monopolies of the internet era,” added Hegde, “yet has bizarrely decided to leave its power almost fully intact. Imposing liability in name only is pure judicial cowardice. This ruling leaves the public unprotected, crucial and evolving markets concentrated, and worse, sends a signal that will embolden monopolists everywhere.

Kurzmeldungen

  • Der DMA verlangt von Apple, Sideloading zuzulassen. Apple hat die Möglichkeit eingerichtet, macht sie aber so unangenehm wie möglich. HEISE
  • Im Gegensatz zu iOS gewährte das mobile Betriebssystem Android seinen Nutzer mehr Kontrolle über das eigene System. Dies wird zunehmend eingeschränkt. ARSTECHNICA
  • Immer wieder spannend: Zeitreisen durch die Entwicklung von User Interfaces. Diesmal beleuchtet Brad Frost die Möglichkeiten, Interfaces nach eigenen Vorstellungen anzupassen. BRADFROST
  • Regeln zur Altersverifikation betreffen oft auch Plattformen, die von Nutzern generierte Inhalte anzeigen. Dies betrifft auch den dezentral organisierten Dienst Mastodon. Diese Plattform kann eine Altersverifikation nicht leisten. HEISE
  • Das „Kaufen“ von Filmen bei Amazon hat nichts mit Kaufen zu tun. ARSTECHNICA
  • 325 Millionen hier, 425 Millionen da, auf die Dauer kommt für Google einiges zusammen. NOYB TAGESSCHAU

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