Britische Altersprüfung, Supermarkt-Rabatte, Mehrwertsteuer für kostenlose Nutzerkonten, Enshittification und Sommerpause

Großbritannien führt Altersverifikationen für pornografische und Social-Media-Angebote ein, denen einige große Anbieter nachkommen. Kritiker wie Sebastian Meineck (netzpolitik.org) sehen dies als symbolische Geste, die durch VPNs umgehbar ist und als ersten Schritt zur Kriminalisierung von Anonymisierungsdiensten wie Tor. Microsofts Copilot plant die Auswertung von Anwendungsdaten, was der Brave-Browser verweigert. Großbritannien plant eigene BigTech-Regulierungen nach EU-Vorbild. Italien fordert Mehrwertsteuer für kostenlose Nutzerkonten, wenn die Plattformanbieter die Daten der Nutzer verkaufen. Supermärkte gewähren Rabatte im Tausch gegen persönliche Daten und der c't uplink Podcast thematisiert die "Enshittification" von Produkten und Webdiensten. In eigener Sache: Mit diesem Beitrag verabschieden wir uns in die Sommerpause. Ab der 2. Septemberwoche (KW37) melden wir uns zurück.

Das Zeitalter der Altersverifikation

Der Zugang zu altersbeschränkten Internetangeboten ist für jedermann, auch ohne Nachweis der Volljährigkeit, möglich. Die Regulierungsbehörden in Großbritannien machen seit kurzem Altersverifikationen zur Pflicht. Dies betrifft nicht nur pornografische Angebote, sondern auch Social-Media-Plattformen. WIRED

Some of the biggest porn websites—including Pornhub and YouPorn—have said that they will comply with the new rules. And social media sites like BlueSky, Reddit, Discord, Grindr, and X are introducing UK age checks to block children from seeing harmful content.

Sebastian Meineck schreibt dazu auf netzpolitik.org. NETZPOLITIK

Stand aktuell werden die hart erkämpften Alterskontrollen keinen einzigen britischen Jugendlichen von Pornos fernhalten. Mit simplen Mitteln wie VPN-Software oder dem Tor-Browser lassen sich die Kontrollen kinderleicht umgehen. Sie verfehlen ihren angeblichen Zweck.

In Wirklichkeit ist die Altersverifikation ein weiterer Schritt hin zur Abschaffung der Freiheit im Netz. Meineck weiter:

Die Einführung der Alterskontrollen könnten sich nämlich nur als der erste Akt einer Tragödie erweisen, um Stück für Stück Anonymisierungs-Dienste wie VPN-Software oder Tor zu kriminalisieren. Solche Dienste gehören in den Werkzeugkasten digitaler Selbstverteidigung, um Grundrechte wie Datenschutz, Privatsphäre oder Informationsfreiheit zu wahren und Zensur zu umgehen.

Was Kindern im Netz wirklich helfen würde, ist Aufklärung. Zum Beispiel durch Eltern, die sich selbst über die Gefahren im Internet informieren, und dieses Wissen an ihre Kinder weiter geben.


Kurzmeldungen

  • der Windows-Chatbot Copilot möchte Inhalte aller genutzten Anwendungen auswerten. Der Browser Brave verweigert dies. XDA-DEVELOPERS
  • Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, versucht es eine eigene Regulierung nach EU-Vorbild auf BigTech anzuwenden. ARSTECHNICA
  • Italien ist der Auffassung, auch kostenlose Nutzerkonten sind mehrwertsteuerpflichtig, wenn die Plattform die Daten der Nutzer verkauft. HEISE
  • Das Onlineportal der Tagesschau berichtet über Rabattangebote von Supermärkten und Discountern. Die Rabatte werden im Tausch gegen persönliche Daten gewährt, welche bei Nutzung der kostenfreien Apps der Geschäfte erhoben werden. TAGESSCHAU
  • Die Enshittification von Druckern und Fernsehern ist Thema im Podcast c’t uplink. PODIGEE

Sommerpause

Mit diesem Beitrag verabschieden wir uns in die Sommerpause. Ab der 2. Septemberwoche (KW37) melden wir uns froh und munter zurück.

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