Mensch und Technologie – Wie das Design die Interaktion bestimmt

Die Zahlen sprechen für sich: 60% der deutschen Bevölkerung besitzen ein Smartphone. 50% der Onlinenutzung wie Surfen, Emails abrufen und Onlineshopping laufen inzwischen über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Diese Entwicklung ist noch nicht am Ende. Die Tendenz geht weiterhin zur Verlagerung der Onlineaktivität, weg vom klassischen Desktop-PC oder Notebook hin zu iPhone, iPad und Co.

Eine Veränderung des Nutzungsverhaltens bedeutet auch eine Veränderung der Erwartungen an Unternehmen. Das bedeutet nicht nur für das Endkundengeschäft, dass man seine Kunden mit einer gut durchdachten mobilen Strategie langfristig binden kann.

Der technologische Aspekt

Zunächst sollte man sich der Unterschiede zwischen den am weitesten verbreiteten mobilen Betriebssystemen Android von Google (ca. 82%) und iOS von Apple (ca. 14%) bewusst werden. Nicht nur, dass sich beide Nutzergruppen im Kauf- und Nutzungsverhalten unterscheiden, sondern auch in der Gewöhnung an die ganz spezifischen Standards der Benutzerführung. 

Sowohl Apple als auch Google haben enorme finanzielle und personelle Ressourcen in die Entwicklung eigener Standards der Benutzerführung (Design Patterns) investiert. In aufwändigen und ausgiebigen Tests haben beide Konzerne ganz eigene Systeme entwickelt, die sich in ihrer Philosophie unterscheiden aber dennoch dem Nutzer einen höchst möglichen Nutzen garantieren. 

Beide Betriebssystemhersteller empfehlen den Entwicklern von Apps die Verwendung ihrer Design Patterns. Der Vorteil ist ganz klar, dass die jeweiligen Nutzer sich sofort intuitiv mit Ihrer App befassen können, ohne neue Verhaltensmuster erlernen zu müssen.

Dies bedeutet allerdings, dass eine App mindestens für die beiden Betriebssysteme mit der weitesten Verbreitung optimiert werden muss. Dadurch wird eine wesentlich höhere Kundenzufriedenheit gewonnen, auch wenn höhere Kosten entstehen.

Der Faktor Mensch

Der Nutzer und seine Erwartungshaltung stehen immer im Mittelpunkt bei der Entwicklung von Software für mobile Endgeräte.

Die Erwartungshaltung ist geprägt vom jeweiligen Design Pattern des benutzten Betriebssystems. Der Kunde erwartet, dass seine neue App sich ähnlich verhält, wie er es von anderen Apps auf seinem Smartphone gewohnt ist.

Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, dann verlässt der Nutzer frustriert die App und wird diese auch nicht wieder öffnen. Im schlimmsten Fall gibt es noch eine negative Bewertung in den App Stores und schreckt somit neue potentielle Nutzer ab. Negative Emotionen setzen sich dann nicht nur gegenüber der App fest, sondern können sich schnell auf das Unternehmen übertragen.

Sollte sich ein solcher Effekt verbreiten, dann ist unter Umständen die komplette Investition gefährdet. 

Es kann Gründe für eine Abweichung von Standards geben. Man sollte aber abwägen, ob das eigentliche Ziel der App damit auch erreicht wird. Wenn der Benutzer der App zufrieden ist und schnell und einfach das erledigen kann, was er damit vor hat, dann ist der halbe Weg zu einer erfolgreichen mobilen App schon geschafft.